Frohe Weihnachten!
 

Ach wie schön ist sie doch, die Vorweihnachtszeit. So besinnlich und ruhig. Jedes Jahr freue ich mich auf Glühwein und selbst gebackene Weihnachtsplätzchen. ja das Fest der Liebe und des Friedens steht vor der Tür.
Habe ich auch bestimmt an alle gedacht? Tante Frieda bekommt beheizbare Lockenwickler, Onkel Gustav ein Erste Hilfe Set er hat noch einige Anfangsschwierigkeiten mit dem Werkzeugkoffer den ich ihm letztes Jahr geschenkt habe. Für Fritzchen habe ich die Anleitung "Wie bastle ich mir eine Bombe" gekauft, ist sicher genau das Richtige für dieses kleine Monster Die elektrische Eisenbahn die er voriges Jahr von mir bekommen hat hat er mir nachgeworfen und mich mit üblen Flüchen belegt, das will ich nicht noch einmal riskieren. Gottlob ist nichts davon eingetroffen sonst wäre ich Meute eine einflügelige Fledermaus mit Beulenpest.
Da fällt mir mit Entsetzen ein, daß ich noch kein Weihnachtsgeschenk für meine Freundin Lisa habe bei der ich am heiligen Abend eingeladen bin.
Das ist aber weiter nicht tragisch heute habe ich Zeit, werde in die Stadt gehen und in Ruhe etwas Hübsches für sie aussuchen. Nachdem ich nur 45 Minuten in einer Warteschlange vor dem Kaufhaus stehe ist es schon soweit ich bin an der Eingangstüre des Geschäftes angelangt. Wie durch einen Sog werde ich in den Laden gezogen. Jeder Versuch nach rechts oder links abzubiegen scheitert kläglich und langsam wird mir klar, wenn mir mein Leben lieb ist muß ich in der Reihe bleiben. Es gibt kein Entrinnen! Im Schneckentempo, Millimeter für Millimeter, bewegen sich die Menschenmassen vorwärts. Am Ende des Verkaufsraumes wendet die Menschenschlange und kriecht langsam wieder zurück zur Eingangstüre um dort abermals zu wenden.
Nach der 11. Runde kommen mir die ersten Zweifel jemals ein Geschenk für Lisa zu finden also greife ich im Vorübergehen nach dem erst besten Gegenstand den mein Adlerauge in einem Verkaufsregal erspäht und lasse ihn nicht mehr los. was unweigerlich zur Folge hat, daß ich von der wildgewordenen Meute die mich umgibt beinahe gelyncht werde. Übelste Beschimpfungen prasseln wie Giftpfeile auf mich nieder weil ich die Unverschämtheit besaß den Kreisverkehr beinahe ins Stocken zu bringen. In meiner Todesangst fange ich an meine Flucht vorzubereiten, langsam Schritt für Schritt. Wenn wir wieder am Ausgang vorbeikommen muß ich es versuchen, ich bin doch noch so jung das ganze Leben liegt noch vor mir!
Ich werde wach, eine junge Frau in Schwesternuniform beugt sich über mich und fragt mit freundlicher Stimme:
"Na wie geht es ihnen denn ?"
"Danke" erwidere ich etwas matt :
"Mein Kopf tut mir ein bißchen weh. Aber warum liege im eigentlich im Krankenhaus ?"
Die freundliche Schwester gibt mir zur Antwort:
"Man hat sie bewußtlos vor dem Kaufhaus gefunden und in ihrer rechten Hand hielten sie eine Rolle Kollabier fest umklammert. So, jetzt schlafen sie noch ein wenig das wird ihnen gut tun"
Hoffentlich freut Lisa sich über ihr äußerst zweckmäßiges Weihnachtsgeschenk das mich beinahe mein Leben gekostet hätte ! Ich schlafe wieder ein und habe einen wunderschönen Traum, von einem ruhigen, friedlichen Weihnachtsfest.

©Maria Wilden
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